Das Staatliche Obraztsov Puppentheater Moskau ist Russlands größtes und berühmtestes Puppentheater. Leningradka ist die Wiederbelebung einer älteren Inszenierung aus St. Petersburg in Zusammenarbeit mit dem Cube Studio Theatre. Am Freitag (06.05.2016) wurde dieses Stück nun im Rahmen des FIDENA-Figurentheater-Festivals im Prinzregenttheater in Bochum-Weitmar als deutsche Erstaufführung gespielt.

 

Leningrada ist die Geschichte des Mädchens Valja, Überlebende der Belagerung von Leningrad durch deutsche Truppen, die 1941 begann und bis 1944 andauerte, und bei der nach offiziellen Schätzungen mehr als eine Million Menschen verhungerten. Valjas Vater muss an die Front. Am Abend vor seiner Abreise erzählt er Valja von dem Hausgeist Domovoi, der sie während seiner Abwesenheit beschützen wird. Valja und ihre Mutter erleben allerschlimmste Zeiten, doch der weise Kobold Domovoi ist wirklich immer an Valjas Seite. Er verhandelt mit der gerissenen Ratte um Lebensmittel, schafft es, im Ofen Feuer zu entfachen und gerät auf magische Weise an einen im Eis versunkenen Lkw voller Mandarinen. Die Leningrader Blockade aus der russischen Perspektive, genauer gesagt, aus der Perspektive eines Mädchens, entführt die Zuschauer in eine Welt voller kindlicher Fantasien, gepaart mit harter Realität. Spielfilm, Puppentrick, Dokumentaraufnahmen und Live-Puppenspiel verschmelzen virtuos zu einem erschütternden und ergreifenden Erlebnis.

Am Samstag, 7. Mai 2016, besuchten die russischen Künstler des Staatliche Obraztsov Puppentheater Moskau in Bochum nach ihrer Aufführung am Vortag auch die einzigartige Heimkehrer-Dankes-Kirche als Mahnmal für Frieden und Aussöhnung unter den Völkern. Begleitet wurde die Gruppe von den Organisatoren von FIDENA. Gemeinderatsmitglied Christian Herker führte die russischen Gäste durch das Gotteshaus und die Heimkehrer-Gedenkstätte in der Krypta. Anschließend gab es noch eine Begegnung mit kleinem Imbiss im Gemeindeheim. "Diese Begegnung stand ganz im Zeichen der Völkerverständigung", so Herker. Eindrucksvoll schilderte Christian Herker, dass die Heimkehrer-Dankes-Kirche sicherlich auch ein Ort war, an dem die deutschen Heimkehrer auch ihre Schuld, die sie während ihres Kriegsdienstes im 2. Weltkrieg auf sich geladen haben, verarbeiten konnten. Die Kirche sei somit ein lebendiger Ort der Aussöhnung der Völker geworden. Daher sei der Besuch der russischen Gäste für die Kirchengemeinde eine sehr wertvolle Erfahrung gewesen und große Ehre, so Herker. Die deutsche Führung wurde via Dolmetscher dann für die Gäste in die russische Sprache übersetzt.

Hintergrund

Die Heimkehrer-Dankes-Kirche in Bochum-Weitmar wurde in den Jahren 1958/59 auf die entscheidende Initiative von Pfarrer August Halbe errichtet. Nach seiner Heimkehr aus einer fünfjährigen Kriegsgefangenschaft im Ural begann er zusammen mit weiteren ehemaligen russischen Kriegsgefangenen den Bau der Kirche. Im Dezember 1959 weihte Kardinal Hengsbach die Kirche, welche seit 2005 unter Denkmalschutz steht. Für viele Menschen ist die Heimkehrer-Dankeskirche ein Ort der Erinnerung und ein Mahnmal für Frieden und Aussöhnung unter den Völkern.

Foto: Hermann Haferkamp.