Vielerorts wird in diesen Tagen dem 25. Jahrestag der Deutschen Einheit gedacht: So auch in der Kirche Heilige Familie (Heimkehrer-Dankeskirche) in Bochum-Weitmar. Die katholische Kirchengemeinde St. Franziskus Bochum-Weitmar lädt daher am kommenden Sonntag, 4. Oktober 2015, um 10 Uhr, zu einem feierlichen Dankamt in die Filialkirche Heilige Familie (Heimkehrer-Dankeskirche), Karl-Friedrich-Str. 109, 44795 Bochum-Weitmar ein. Dem feierlichen Hochamtes in der Heimkehrer-Dankeskirche wird Pater Prior Pirmin Holzschuh OCist (Zisterzienserklosters Bochum-Stiepel) vorstehen. Er wird auch die Predigt halten.

 

Im Rahmen dieses Gottesdienstes wird auch ein Kreuz feierlich gesegnet, welches aus Grenzzaun der ehemaligen innerdeutschen Grenze (Grenzübergang Worbis-Teistungenburg im Eichsfeld) angefertigt wurde. Dieses Kreuz findet zukünftig seinen dauerhaften Platz in der Heimkehrer-Dankeskirche als Mahnmal für Frieden und Aussöhnung unter den Völkern. Das Kreuz ist eine Stiftung von dem Bochumer Obermeister der Friseurer-Innung, Edgar Pferner, der damals gemeinsam mit seinem Vater über die Grenze aus dem östliche Teil Deutschlands - der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) - geflohen ist. Das Kreuz soll künftig in der Heimkehrer-Dankeskirche Heilige Familie in Weitmar an die schreckliche Zeit der kommunistischen Diktatur im östlichen Teil Deutschlands und an die innerdeutschen Teilung nach dem zweiten Weltkrieg erinnern. "Ich bin davon überzeugt, dass es schlussendlich auch die vielen Gebeten der Heimkehrer bei ihren alljährlichen Heimkerer-Danktagen an der Heimkehrer-Dankeskirche in Bochum waren, die mit zur Wiedervereinigung unseres Vaterlandes beigetragen haben. Daher passt dieses Kreuz besonders auch zur besonderen Intention dieses deutschlandweit einzigartigem Gotteshauses als Mahnmal für Frieden und Aussöhnung unter den Völkern. Daher freuen wir uns ausgesprochen über diese Stiftung.", so Gemeinderatsmitglied Christian Herker.

Hintergrund

Mehr als 12 Millionen deutsche Soldaten und Zivilisten waren in Kriegsgefangenschaft. Sie haben in über 9.000 Lagern gelebt bzw. „gehaust“. Viele arbeiteten unter härtesten Bedingungen. Die das überlebt haben und zurückgekehrt sind, haben davon auf vielfältige Weise berichtet. Sie haben eine Stätte geschaffen, die Heimkehrer-Dankeskirche in Bochum, die Ausdruck ihrer Dankbarkeit vor Gott über ihre glückliche Heimkehr ist. Nachfolgende Generationen sollen erinnert werden: Das Recht auf Freiheit und Menschenwürde ist nicht selbstverständlich. Es muss stets ins Bewusstsein gerückt und bewahrt werden.

In der Krypta der Kirche befindet sich ein Museum. Es zeigt zahlreiche Gegenstände, die in den Lagern entstanden sind. Hinzu kommen eindrucksvolle Gemälde und Zeichnungen aus dem Alltagsleben der Lagerinsassen sowie eine Reproduktion der so genannten „Stalingradmadonna“. Auch für junge Menschen sind Kirche und Krypta in zweierlei Hinsicht lohnenswert. Zum einen erhalten sie Einblick in die dunklen Jahre der Geschichte. Zum anderen vermittelt der Ort ein tieferes Verständnis für ein Leben in Frieden und Freiheit.

Vikar August Halbe, fünf Jahre kriegsgefangener Priester im Ural, ließ aus Dank für die Rettung aus der Lagerhaft die Kirche errichten. Unterstützung erhielt er dabei vom Pfarrer der Pfarrei St. Franziskus Bochum-Weitmar, Adolf Ostendorf. Der Plan zum Bau der Dankeskirche wurde 1955 der Öffentlichkeit vorgestellt. Unterstützt durch den 1956 gegründeten Kirchbauverein konnten zwei Jahre später 20 Heimkehrer den ersten Spartenstich vollziehen. Am 12.12.1959 weihte Ruhrbischof Dr. Franz Hengsbach (Essen) die Kirche. Sie trägt den Namen „Heilige Familie“ und erinnert an die Heimkehr der Familie Jesu aus Ägypten. Seit 2005 steht das Gotteshaus unter Denkmalschutz und ist seit 01.09.2008 Filialkirche der neuen Gemeinde St. Franziskus Bochum-Weitmar.

Die Kirche ist ein Erinnerungsort von nationalem Rang, in der die historische und religiöse Erinnerung einer Generation von Kriegsteilnehmern ihren Ausdruck gefunden hat. Die architektonische Konzeption, die Krypta und das Bildprogramm der Fenster („Straße des Krieges“) stellen eine Gesamtheit dar. Mit dem großen Chorfenster „Lobgesang der Jünglinge im Feuerofen“ hat beispielsweise der Maler Wilhelm de Graaf als Kriegsteilnehmer seinen Dank ausgedrückt.

Von 1960 bis 2009 versammelten sich zahlreiche ehemalige Kriegsheimkehrer aus ganz Deutschland alljährlich am Sonntag nach Pfingsten (Dreifaltigkeitssonntag) zu ihrem alljährlichen „Heimkehrer-Danktag“.

Dieses Erbe der Heimkehrer wollen junge und alte Gemeindemitglieder stets pflegen und erhalten.