Rund 100 Besucher nutzten den Tag des offenen Denkmals am 14.09.2014 für einen Besuch in der Filialkirche der Gemeinde St. Franziskus, Heilige Familie Heimkehr aus Ägypten (Heimkehrer-Dankeskirche), in Bochum-Weitmar. Es wurden drei Kirchen- und Kryptaführungen durch Pfarrer i.b.D. Theo Schwens, Alfons Stiewe und Christian Herker mit jeweils 15 Teilnehmern angeboten.

Das Motto des diesjährigen deutschlandweiten "Tages des offenen Denkmals" lautete "Farben". So richtete sich der Fokus der Führungen besonders auf die Kirchenfenster ("Straße des Krieges", "Lobgesang der drei Jünglinge im Feuerofen" und "Rosenkranzfenster"), die auf kunstvolle Weise Krieg und Frieden thematsieren. Zahlreiche Besucher nutzten auch die Zeiten zwischen den Führungen für einen Rundgang durch Kirche und Krypta. Außerdem konnten die Besucher eine ganze Stunde lang geistliche Musik mit Frank Herker an der Stockmann-Orgel genießen.

Pfarrer i.b.D. Theo Schwens und Christian Herker führen eine letzte Gruppe von Besuchern gemeinsam durch die Heimkehrer-Dankeskirche und die Gedenkstätte in der Krypta. (Foto: Hermann Haferkamp)

Dargeboten wurden Improvisationen zum Kreuzerhöhungssonntag. Der Tag wurde am Vormittag mit einem feierlichen Hochamt mit Kaplan Pater Placidus Beilicke OCist und über 200 Gläubigen in der Kirche eröffnet. "Es war ein sehr gelungener Tag mit vielen Besuchern und sehr interessanten Gesprächen. Ein besonderer Dank gilt vor allem den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, ohne die dieser Tag nicht möglich gewesen wäre", so resümiert Christian Herker, Mitglied des Gemeinderates der Gemeinde St. Franziskus Bochum-Weitmar.

Hintergrund

Die Heimkehrer-Dankeskirche in Bochum-Weitmar wurde 1958 von Pfarrer August Halbe errichtet. Nach seiner Heimkehr aus einer fünfjährigen Kriegsgefangenschaft im Ural begann er zusammen mit 20 weiteren Kriegsgefangenen den Bau der Kirche als Ausdruck der Dankbarkeit vor Gott und die Rettung aus der Gefangenschaft. Am 12. Dezember 1959 weihte Bischof Dr. Franz Hengsbach die Kirche, und seit 2005 steht das Gotteshaus unter Denkmalschutz. In der Krypta befindet sich heute ein Museum, das zahlreiche Gegenstände enthält, die in den Lagern mit deutschen Kriegsgefangenen entstanden sind. Hinzu kommen Gemälde und Zeichnungen aus dem Alltagsleben der Lagerinsassen sowie eine Kopie der bekannten Madonna aus Stalingrad. Die Kirche ist somit zu einem Erinnerungsort von nationalem Rang geworden, in der die historische und religiöse Erinnerung einer Generation von Kriegsteilnehmern ihren Ausdruck gefunden hat. Auch für junge Menschen sind Kirche und Krypta lohnenswert: Zum einen erhalten sie Einblicke in die dunklen Jahre der Geschichte. Zum anderen vermittelt der Ort ein tieferes Verständnis für ein Leben in Frieden und Freiheit. Nachfolgenden Generationen soll hier vor Augen geführt werden, dass das Recht der Freiheit und der Menschenwürde nicht selbstverständlich ist und stets ins Bewusstsein gerückt und bewahrt werden muss.

Führungen durch die Kirche und die Gedenkstätte in der Krypta sind ganzjährig nach vorheriger Terminvereinbarung mit Alfons Stiewe (Tel.: 0234 471525, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder Christian Herker (Tel.: 0234 473453, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) möglich.