Am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, den 14. September 2014 öffnen wieder viele deutschlandweit Denkmäler ihre Pforten: So auch die Heimkehrer-Dankeskirche Heilige Familie in Bochum-Weitmar an der Karl-Friedrich-Straße 109 in Bochum-Weitmar. Die Heimkehrer-Dankeskirche wurde 1958 auf Initiative von Pfarrer August Halbe errichtet. Nach seiner Heimkehr aus einer fünfjährigen Kriegsgefangenschaft im Ural begann er zusammen mit 20 weiteren ehemaligen Kriegsgefangenen den Bau dieser Kirche. Im Dezember 1959 – also vor 55 Jahren – wurde sie durch Kardinal Hengsbach auf das Patrozinium Heilige Familie Heimkehr aus Ägypten geweiht, und im Jahr 2005 unter Denkmalschutz gestellt. Für viele Menschen ist die Heimkehrer-Dankeskirche ein Ort der Erinnerung von nationalen Rang und ein Mahnmal für Frieden und Aussöhnung unter den Völkern.

Licht- und Farbenspiel in der Heimkehrer-Dankeskirche: Blick in den Kirchraum auf das Rosenkranzfenster, den nördllichen Teil der „Straße des Krieges“ sowie das große Chorfenster. (Foto: Hermann Haferkamp)

Zur Eröffnung des diesjährigen Tages des offenen Denkmals findet am diesjährigen Kreuzerhöhungs-Sonntag, 14. September 2014, um 10:00 Uhr, ein feierliches Hochamt in der Filialkirche der Gemeinde St. Franziskus statt. Abschließend ist die Kirche von 11:00 Uhr bis 18:30 Uhr durchgängig für Besucher geöffnet. Kirchenführungen werden von Alfons Stiewe und Gemeinderatsmitglied Christian Herker jeweils um 11:15 Uhr, 15:00 Uhr und 17:00 Uhr angeboten. Von 14:00 Uhr bis 15:00 Uhr können sich Besucher auf geistliche Musik an der Stockmann-Orgel mit Organist Frank Herker erfreuen.

Das Jahresmotto des diesjährigen „Tages des offenen Denkmals“ lautet „Farbe“. Daher richtet sich der Fokus in der Heimkehrer-Dankeskirche in diesem Jahr besonders auf die farbigen Kirchenfenster. Bei entsprechendem Lichtfall werfen die Fenster ihre Schatten an die gegenüberliegenden Wände und auf den Boden und bieten so ein einzigartiges Lichtspiel.

Das große Chorfenster in der Heimkehrer-Dankeskirche Heilige Familie: „Der Lobgesang der drei Jünglinge im Feuerofen“. (Foto: Hermann Haferkamp)

Beim Bau der Kirche legten der Gründer August Halbe und die Heimkehrer Wert darauf, dass sie in ihrem Inneren und Äußeren an die erlebte Zeit in Krieg und Gefangenschaft erinnert. Dieses Anliegen hat der Architekt, der Herner Stadtbaurat Kurt-Hubert Vieth, aufgegriffen und in der Gestaltung realisiert. So erinnert die Kirche in ihrem Grundriss an eine Baracke oder Fabrikhalle. Ihre künstlerische Gestaltung thematisiert den Krieg als auch den Dank der Geretteten. Der Fries der Hochfenster ist vom Künstler (Wilhelm de Graaff) „Die Kriegsstraße“ genannt worden. Sie beginnt an der Südseite der Kirche und zeigt in kräftigen Farben eine Ornamentik voller Dynamik. Mit etwas Phantasie erahnt man die endlose Kriegsstraße, durch Explosionen aller bekannten Geschosse im Wasser, auf dem Land und in der Luft unterbrochen und aufgrissen dargestellt. Sie endet an dem letzten Fenster auf der Nordseite, der Krieg wird immer schlimmer und finsterer. Da spielt am Rande des Fensters eine Frau auf der Fiedel das Lied des Friedens an, das hinüberleitet in das große Chorfenster. Hier hat der Künstler den Lobgesang der drei Jünglinge im Feuerofen dargestellt, wie es in der Bibel beim Propheten Daniel geschildert wird. das feuerumrahmte Emblem gibt den Grund für das Danklied an. Die drei Jünglinge werden von den lodernden Flammen nicht verzehrt. Das Feuer wird durch den Engel, der die drei Männer zum Vertrauen auf Gott ermunterte, unschädlich gemacht. Die Macht ist bei Gott, nicht bei dem Satan, wer Gott vertraut und dient, wird erhört und gerettet. So die Aussage dieses Fensters. Zur Umkehr und Nachfolge Christi als Weg des Heils lädt das Magdalenenfenster (geschaffen von Wilhelm de Graaff) beim Seitenaltar ein. Schließlich wird beim Verlassen der Kirche der Blick auf das Rosenkranzfenster (gestaltet von dem Künstler Nikolaus Bette) über dem Hauptportal gelenkt. Die Darstellung der 15 Rosenkranzgeheimnisse aus der Kindheit, dem Leiden und der Verherrlichung des Herrn mit seiner Mutter Maria ist wie ein Anruf an alle, die das Gotteshaus verlassen: Bedenkt den Weg der Liebe, der Erlösung und des Heiles, den Jesus Christus für uns gegangen ist, in Herz und Sinn und tragt seinen Frieden in der Nachfolge des Herrn in unser Leben und in unsere Welt hinein.

Innenansicht der Heimkehrer-Dankeskirche Heilige Familie mit Blick auf den Altarraum. (Foto: Hermann Haferkamp)

In der Krypta der Kirche befinden sich eine Gedenkstätte und ein Museum, dass viele, zum Teil recht kunstfertige Gegenstände zeigt, die in den Lagern entstanden sind. Hinzu kommen eindrucksvolle Gemälde und Zeichnungen aus dem Alltagsleben der Lager. Ein Besuch der Krypta lohnt sich auch für junge Menschen. Er kann ihnen helfen, diese schwere Zeit der Geschichte genauer kennen zu lernen. Auch die Krypta lädt am Tag des offenen Denkals zum Besuch ein.