Renate Gottschewski
 

Liebe Schwestern und Brüder!

„alles ist zu etwas gut“ ist ein durchaus sehr verkürztes und vielleicht sogar verbogenes Credo des Alltags. Viele Wortbeiträge hier und da schnappen diesen Satz auf und deklinieren ihn durch: Zeiten der Krise und der Not lassen die Menschen zusammenrücken und lassen erkennen, was wirklich wichtig ist im Leben. Auf mich wirkt das  zynisch. Oder glauben Sie ernsthaft, dass u.a. die  20 000 Flüchtlinge auf den griechischen Inseln ihren Zustand feiern, weil Sie jetzt endlich wissen, was wirklich im Leben wichtig ist? Leid hat keinen Sinn. Allerdings können die Folgen segensreich wirken – was jedoch das Leid nicht rechtfertigt.

Ton Steine ScherbenUnd – mal Hand auf’s Herz – was wären wir ohne unseren hohen Standard im Gesundheitswesen, der – auch wenn darüber viel gescholten wird – durchaus im internationalen Vergleich einen hohen Personalschlüssel hat? Und doch – das bisherige Gesellschafts-, Wirtschafts- und Finanzsystem wird sich spürbar für jeden – Sie, Sie und Sie - verändern, das ist schon mal klar. Und bleibt nicht Ihnen wie mir schon jetzt das Wort im Hals stecken, wenn wir darüber klagen, dass es mit dem Italienurlaub in diesem Sommer nichts werden wird. Das Gegenüber sagt nur: „Deine Sorgen möchte ich haben ….“
Ja auch – die Zeit ohne Gottesdienst in gewohnter Form hat mir neue positive Erfahrungen geschenkt. Noch nie habe ich das Vaterunser so bewusst gebetet wie in dieser Zeit. Noch nie habe ich dieses Gebet so lebendig erlebt und noch nie habe ich mich beim Beten so verbunden mit den  Mitmenschen gefühlt – und so stark. Merkwürdig, die Krise machten allen deutlich – global und jedem Einzelnen – wie verletzlich unsere Welt und der Mensch ist – und darin liegt die Kraft.
Ja, dieser Christus hat Sprengkraft, wie im Relief von B. Allroggen OCist. mit dem Titel „TonSteineScherben“ aus dem Jahr 2018 in meinen Augen dargestellt. Vielleicht ergreift der Heilige Geist seine Chancen wie immer und weht. Vielleicht bin ich empfindlicher dafür, mich ergreifen und dorthin tragen zu lassen, wohin das Herz trägt.

 

Ich wünsche Ihnen weit mehr als Gesundheit

Ihre Renate Gottschewski