Grüß Gott, Ihnen allen!

Der Karfreitag steht ganz im Zeichen des Kreuzes und somit im Zeichen von Schmach und Schmerz und Sterben. Vielleicht braucht es gar nicht viele Worte in der heutigen Zeit; jede und jeder spürt das eigene Kreuz gerade jetzt aktuell auf besondere Weise. Und die Zeichen hierfür sind vielfältig: Sorge um die Liebsten, Existenzangst, Spannungen im Familienalltag, Einsamkeit, Angst vor dem Tod … Ich möchte Ihnen einige Gedanken, von einem lieben Freund verfasst, zum Kreuz weitergeben.

Die meisten werden das Kreuz mit dem Corpus Jesu ohne Hände kennen. Die Bildunterschrift lautet: „Jesus hat keine Hände, nur unsere Hände“ in dieser Welt. Früher hat mich diese Bildunterschrift sehr angesprochen. Durch meine Krankheiten, zuletzt MS, hat bei mir eine Wandlung stattgefunden. Heute bevorzuge ich die Bildunterschrift: „Unsere Macht besteht in unserer Ohnmacht, die uns drängt, Gott die Macht über unser Leben zu geben.“

Krankheit macht mich ohnmächtig. Ich kann nicht mehr handeln und tun, wie ich es gewohnt bin. Ich kann nicht mehr vor mir selbst weglaufen. Ich bin mir selbst ausgesetzt: meinen Dunkelheiten, den dunklen Gedanken. Es ist die größte Lebensaufgabe für uns Menschen, uns selbst auszuhalten und festzustellen, dass das Leben auch ohne unsere Aktivitäten weitergeht.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dann, wenn ich nicht mehr aktiv sein kann, ein anderer – nämlich Gott – wirkt und es besser macht als ich. Dadurch, dass ich nicht mehr so aktiv sein kann, hat Gott die Chance, wirken zu können.  Wenn ich durch meine Aktivitäten nicht mehr vor mir weglaufen kann, muss ich mich in meinen Dunkelheiten aushalten, sie ansehen und kann sie so zur Heilung an Jesus abgeben. Dann kann ich große Wunder an mir oder bei anderen Menschen erleben. Wir können das aushalten, weil wir an unserer Seite jemanden haben, der diese Situation von Karfreitag her kennt: nämlich Jesus.

Jesus macht die Erfahrung, dass Gott, sein Vater, an ihm handelt, wie er auch an uns handeln will. Oft fühlen wir uns nicht in Gottes Händen, weil wir seine Hände durch unsere Hände daran hindern, an uns zu wirken. Seine Liebe anzunehmen und nicht zu erarbeiten und dann in ihr zu bleiben, das ist unsere „Aufgabe“. Ihn in uns und an uns wirken zu lassen, damit er durch uns wirken kann, das ist aus meiner Sicht die „Aufgabe“ von uns Menschen.
Auch Petrus musste am Gründonnerstag lernen, dass er nur Gemeinschaft mit dem Herrn hat, wenn er sich erst einmal selbst die Füße vom Herrn waschen lässt.

Ich wünsche Ihnen die Erfahrung, dass „sein eigenes Kreuz tragen“ zu etwas taugt: nämlich in seinem Leben innezuhalten und nicht vor seinem Leben wegzulaufen. Die Dunkelheiten, die uns herunterziehen und das Leben sehr schwer machen können, auszuhalten und sie dann dem Herrn zur Heilung abzugeben, damit er Heilung in uns bewirken kann und wir genug Atem zum Leben haben.

 
 

Im Gebet mit Ihnen verbunden, grüße ich Sie sehr herzlich

Barbara Pott, Gemeindeleiterin in St. Johannes